«Wir kehren zum verträumten, vielseitigen Garten zurück»

Die Planung des eigenen Gartens ist ein Abenteuer, bei dem jedes Detail zählt – von der ersten Idee bis zur finalen Umsetzung. Die Standortanalyse, die Pflanzenauswahl, die Kostenplanung und die pure Freude am Gestalten lassen einen einzigartigen Raum entstehen. Seit über einem Jahrhundert steht das Genfer Unternehmen Jacquet SA für Massarbeit im Garten- und Landschaftsbau. Wir haben mit Grégoire de Guigné, dem Leiter des Planungsbüros, gesprochen.
Isabelle Bratschi
© Nicolas Righetti/Lundi13
© Nicolas Righetti/Lundi13
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© Jacquet SA

Wie gehen Sie generell vor, wenn Sie einen Garten von Grund auf neu anlegen?

Jedes Projekt beginnt mit der Kontaktaufnahme durch den Kunden und einem Treffen mit dem zukünftigen Auftraggeber vor Ort. Dabei ist es entscheidend, den Standort, seine Geschichte, seine geografische Lage, die Architektur des Gebäudes sowie die vorhandenen Elemente zu verstehen und die Atmosphäre des Ortes zu erfassen. Der Garten wird wie ein Haus konzipiert, das heisst als eine Abfolge von Räumen mit definierten Bereichen, Wegen, sonnigen Plätzen und Übergangszonen, die zum Flanieren einladen.

Welche sind die drei wichtigsten Schritte bei der Gartengestaltung?

Die Menschen kennenlernen, das passende Konzept finden und Träume verwirklichen. Konkret bedeutet das: Den Entwurf erstellen, ihn umsetzen und das Projekt bis zur letzten Bepflanzung und darüber hinaus begleiten.

Was genau meinen Sie mit «darüber hinaus»?

In der Regel benötigt ein Garten mindestens zwei Jahre, um Fuss zu fassen und zu wachsen. Am Anfang mag er vielleicht noch etwas spärlich erscheinen, aber mit der Zeit entfaltet er sich, nimmt seinen Platz ein und schlägt dauerhaft Wurzeln – ähnlich wie Kinder, die heranwachsen. Unser Ziel ist es, die Kunden bei dieser Entwicklung zu begleiten, insbesondere durch Beratung und geeignete Pflegemassnahmen.

Die Bodenbeschaffenheit entscheidet über die Auswahl der Pflanzen.

Wie erfassen Sie die Bedürfnisse des Kunden, bevor es an den Entwurf geht?

Zunächst erfolgt eine gemeinsame Begehung des Grundstücks. Sie ist ein wesentlicher Bestandteil im gesamten Prozess, denn sie hilft uns, ein Gefühl für den Ort zu entwickeln. Wir identifizieren die wichtigsten Bäume und versuchen, die Beziehungen zwischen der Landschaft, dem Haus und seiner Geschichte zu ergründen. Anschliessend ist es unsere Aufgabe als Landschaftsarchitekten und -gestalter, den Kunden mithilfe von Skizzen und einem Vorentwurf zu unterstützen und dem Projekt so eine konkrete Richtung zu geben.

Wie lässt sich das Budget optimieren, ohne das ursprüngliche Konzept aus den Augen zu verlieren?

Erfahrungsgemäss spreche ich bereits beim ersten Treffen über das Budget, um zu klären, ob wir die gleichen Vorstellungen haben und uns grundsätzlich einig sind. Statt einen unerschwinglichen Garten vorzuschlagen, ist es sinnvoller, eine Kostenspanne pro Quadratmeter festzulegen. So kann man sich sofort auf ein Projekt konzentrieren, das vielleicht weniger aufwendig, aber ebenso stimmig und stilvoll ist.

Gibt es Möglichkeiten, Kosten einzusparen, ohne Abstriche bei der Ästhetik zu machen?

Ja, indem man kostengünstigere Materialien und jüngere Pflanzen anbietet. Schliesslich gehört Geduld zum Gartenleben dazu, und die Zeit zahlt sich aus. Wir verwenden einheimische Pflanzen, die robuster sind oder weniger Pflege benötigen. Wir säen Wiesen statt Rasen und verwenden Kies statt Pflastersteine. So kann man auch mit alternativen Lösungen ein ansprechendes Ergebnis erzielen.

Stolpersteine im Garten

Grégoire de Guigné fasst die häufigsten Fehler zusammen, die es bei der Gartengestaltung zu vermeiden gilt: «Achten Sie darauf, einen grossen Baum an der richtigen Stelle und in ausreichender Entfernung zum Haus zu pflanzen. Denn in achtzig Jahren wird man überrascht sein, wenn die Zeder plötzlich die Fassade streift. Die Natur lebt, sie wächst und verändert sich. Pflanzen Sie keine zu dornigen Sträucher entlang einem Fussweg. Achten Sie auf invasive Pflanzen, die sich stark ausbreiten – wie etwa Bambus – und verzichten Sie auf Arten, die auf der schwarzen Liste stehen.»

Was verstehen Sie unter einem «massgeschneiderten Garten»?

Jeder Ort ist einzigartig und darauf müssen wir uns einstellen. Kein Gelände und kein Kunde gleicht dem anderen. Jeder bringt seine eigenen Vorstellungen, seine eigene Kultur mit. Bei individuell zugeschnittenen Gärten legen wir Wert auf Qualität und hochwertige Ausstattung. Wir verwenden edle, möglichst regionale Materialien und arbeiten nach allen Regeln der Kunst. Unsere Stärke liegt in der detailgenauen Ausführung. Wir stellen unser technisches Know-how in den Dienst der Ästhetik.

Welche Standortfaktoren müssen im Vorfeld unbedingt analysiert werden?

Die Bodenbeschaffenheit entscheidet über die Auswahl der Pflanzen. Zunächst erfolgt eine visuelle Analyse, anschliessend werden Bodenproben entnommen. Auch die Ausrichtung des Grundstücks, die Sonneneinstrahlung und die Schattenplätze müssen berücksichtigt werden. Die Neigung ist ein wesentlicher Faktor. Sie gibt vor, wie das Gelände z. B. durch kleine Mauern, Stufen und Übergänge modelliert wird. Zu diesem Zweck führen wir eine systematische topografische Vermessung durch.

Welchen Einfluss haben Klima und Sonneneinstrahlung auf die Gartengestaltung?

Wir schauen uns den Standort genau an und ermitteln, wo es windgeschützte Ecken gibt und wo den ganzen Tag über die Sonne scheint. So können wir unsere Bepflanzung optimal an die Gegebenheiten anpassen. Mit Blick auf den Klimawandel wählen wir gezielt Pflanzen aus, die auch längere Hitzeperioden gut verkraften. Wir richten das Sortiment unserer Baumschule in Satigny bereits seit einiger Zeit auf den Klimagarten aus.

Der strukturierte, der natürliche oder der wilde: Welcher Garten liegt im Trend?

Als ich vor etwa zwanzig Jahren meine Tätigkeit aufnahm, besassen meine Kunden sehr moderne Häuser und wir neigten dazu, Gärten mit klaren Linien und monospezifischer Bepflanzung anzulegen. Heute kehren wir zu üppigen, verträumten und vielseitigen Gärten zurück. Die Menschen sehnen sich nach Düften und möchten die Jahreszeiten wieder bewusst erleben. Sie legen mehr Wert auf Nachhaltigkeit, pflanzen Obstbäume, legen Gemüsegärten an und gestalten Staudenbeete, die vom Frühling bis zum Herbst farbige Akzente setzen.

Haben wir heute ein grösseres ökologisches Bewusstsein?

Ja, unsere Kunden sind sehr an ökologischen Lösungen interessiert. Dabei dreht es sich häufig um Fragen der Wasserbewirtschaftung. Wird das Dachwasser aufgefangen und wieder in den Boden zurückgeführt oder in einen Teich oder ein Rückhaltebecken geleitet? Das ist ein grosses Thema, weshalb wir eine eigene interne Bewässerungsabteilung haben. Darüber hinaus legt man heute grösseren Wert auf lokale Baustoffe, die nicht erst um die halbe Welt befördert werden müssen.

Wie stehen Sie zum Thema Ökologie?

Wir haben unsere Baumschule nach ökologischen Prinzipien ausgerichtet. Dieser Ansatz ist ein fester Bestandteil unserer Unternehmens-Philosophie. Wir sind mit dem Label «Genève Région – Terre Avenir» (GRTA) ausgezeichnet und Bio-Knospe-zertifiziert. Ausserdem engagieren wir uns für die Umwelt, indem wir saubere Energien nutzen, unseren ökologischen Fussabdruck gering halten und den engen Kontakt zu unseren Partnern pflegen. Seit drei Jahren sind wir zudem B-Corp-zertifiziert. Unser Ziel ist es, bis 2050 klimaneutral zu arbeiten.

Worauf sollte man achten, damit sich ein Garten im Laufe der Zeit gut entwickelt?

Auf eine regelmässige Pflege durch erfahrene Gärtner. Mit ihrer Expertise und ein paar hilfreichen Ratschlägen bleibt ein Garten auch nach vielen Jahren noch schön, reizvoll und lebendig.

Westschweizer Gärten: drei herausragende Beispiele

1

L'Autre Paysage (VS): Ein Landschaftsgemälde in Fully

Wenn der Garten zur Landschaft wird. So lautet womöglich die Philosophie von L’Autre Paysage, einem von Vincent Lugon Moulin begründeten Planungsbüro für Landschaftsgestaltung. Jedes Projekt entsteht aus einem Dialog mit dem jeweiligen Ort und seinen Bewohnern. Der Garten wird dabei als eigenständiges Ökosystem betrachtet, in dem Pflanzen und Mineralien in natürlicher Harmonie miteinander verschmelzen. Holz, Stein, Wasser und Pflanzen stehen im Dialog miteinander und bilden sensible und nachhaltige Räume. Moose, Stauden, Kletterpflanzen und Bodendecker fügen sich in Trockenmauern, Holzkonstruktionen oder Wasserspiele ein und schaffen so einen bis ins kleinste Detail durchdachten, lebendigen Garten.

Mit einer handwerklich ausgefeilten und individuell zugeschnittenen Konzeption geht L’Autre Paysage weit über die reine Gartengestaltung hinaus. Hinter diesem Prinzip steht Vincent Lugon Moulin mit seiner Liebe zur Natur. Von dieser Begeisterung profitieren heute unverwechselbare Gärten, die als wahre Lebensräume konzipiert sind.

Ein Beweis hierfür ist dieser Vorentwurf für einen Garten in Fully, dessen Gestaltung auf fliessenden Übergängen basiert. Ein Weg trennt den öffentlichen Raum klar vom privaten Empfangsbereich ab. Schlanke Bäume und Kletterpflanzen strukturieren den Garten und begrenzen den Blick auf die benachbarten Parzellen. Der südlich ausgerichtete, hintere Teil des Gartens ist mit einheimischen Pflanzenarten aus Fully bepflanzt und als naturbelassene Zone angelegt, die die Biodiversität und die natürliche Regeneration begünstigen soll. Ein Lavendelbeet vor der Holzterrasse sorgt für ästhetische Akzente und fügt sich harmonisch in die moderne Gebäudearchitektur ein.

Weitere Infos lautrepaysage.ch

2

Denogent (VD-GE): Der Ross-Mason-Garten, ein Ort der Besinnung

«Was für ein kreatives Team! Vielen Dank!» «Wie wunderschön. Sie bereichern so viele Gärten!» Im Internet gibt es unzählige Lobeshymnen auf das Unternehmen Denogent. Ihre Philosophie? Den familiären Geist bewahren. Hinzu kommt die makellose Qualität ihrer Realisierungen wie der Garten von Ross Mason eindeutig unter Beweis stellt, der mit einem raffinierten Spiel schwebender Betonstufen den Raum strukturiert und zum Flanieren einlädt. Eine grosszügige Holzterrasse gibt den Blick auf die umliegende Landschaft und den Genfersee frei.

Der Garten erstreckt sich über verschiedene, durch Stützmauern aus Naturstein geschickt gegliederte Ebenen. Dadurch entsteht eine zugleich architektonische und organische Komposition. Das Projekt orientiert sich am Gleichgewicht von Yin und Yang und spielt mit Kontrasten: gefüllte und leere Flächen, mineralische und pflanzliche Elemente, moderne Linien und rohe Materialien. Granit-Trittplatten akzentuieren die Wegführung und werden von raffinierten Texturen, Materialien und Farben begleitet, die dem Ganzen Rhythmus und Subtilität verleihen.

Die Vegetation wirkt strukturiert und wild zugleich. Sie kombiniert kunstvoll gestaltete Elemente im Bonsai-Stil mit einer natürlichen, farbenfrohen und üppigen Bepflanzung, die sich im Laufe der Jahreszeiten harmonisch entfaltet.

Dieser Garten wurde als Ort der Kontemplation konzipiert, der sich sowohl aus dem Inneren des Hauses als auch von aussen erschliesst. Dabei geht er einen ständigen Dialog mit dem See und seiner Horizontlinie ein. Natur, Design und Musse bilden hier eine Einheit, die zu jeder Jahreszeit bewundert und gelebt werden kann.

Weitere Infos denogent.ch

3

Jardin Passion Rizzi-Lambert (NE): Ein Platz mit Blick auf den Sonnenuntergang

Manche sehen in einem unbebauten Grundstück lediglich eine leere Fläche. Bruno Rizzi, sein Partner Jérémy Lambert und ihr Team aus erfahrenen Landschaftsgärtnern erkennen darin bereits einen Ort zum Leben, Wohlfühlen und Beisammensein. Ihr Ziel ist klar: Sie wollen den Aussenbereich in einen harmonischen und nachhaltigen Raum verwandeln – wie im Fall des Gartenbauprojekts Franchi in Le Locle.

«Ursprünglich gab es hier nur einen alten Bestand an Sträuchern, eine marode Pflasterung und ein zerfurchtes Gelände», betont Bruno Rizzi. «Um den Pflegeaufwand zu reduzieren und den Zugang zur Terrasse zu erleichtern, haben wir uns für Kunstrasen entschieden. Wir haben diesen Bereich, der das ganze Jahr über grün bleibt, erhöht, um diesem kleinen Garten mehr Relief zu verleihen. Um den Sonnenuntergang geniessen zu können, haben wir ausserdem eine gemütliche, leicht versetzte Holzterrasse angelegt. Dort kann man bei einem Kaffee oder Aperitif von den letzten Sonnenstrahlen des Tages profitieren.» Ein hübscher Weg aus Bodenplatten führt dorthin und verleiht dem Ganzen eine kreative Note. «Wir haben rundherum Sträucher gepflanzt, die wir auf 1,5 m gestutzt haben. So kann man im Stehen den Blick über die Landschaft schweifen lassen und im Sitzen ist man vor neugierigen Blicken geschützt. Das sorgt für ein gewisses Mass an Privatsphäre», fügt er hinzu.

Für die Bepflanzung wählte das Unternehmen verschiedene Gehölze aus, die das ganze Jahr über mit unterschiedlichen Blüten und Blattfarben für Abwechslung sorgen. «Die grosse Terrasse wurde aus Naturstein konstruiert, wobei Travertin auf einem Kiesbett verlegt wurde, um eine effiziente Wasserableitung zu gewährleisten. Wenn ich einen Garten entwerfe, stelle ich ihn mir bereits fertig vor. Der Kunde lernt ihn erst im Laufe der Arbeiten kennen. In diesem Fall war er begeistert!»

Weitere Infos jardin-passion-rizzi.ch

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