Haben Sonnenschutzmittel, die Korallen schaden, auch negative Folgen für unsere Seen und Wasserläufe?

Sonnencremes sind ein unverzichtbarer UV-Schutz für die Haut, schädigen aber die Ökosysteme der Meere. Die Auswirkungen auf die Schweizer Binnengewässer sind noch kaum dokumentiert und werden gegenwärtig am Schweizerischen Oekotoxzentrum erforscht.
Marjorie Spart

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Mit dem Einzug der schönen Tage und der sommerlichen Hitze bieten unsere Gewässer eine willkommene Abkühlung. Und wenn die Sonne vom Himmel brennt, greifen viele zurecht zu Sonnencremes. Auch wenn die positiven Wirkungen dieser Produkte für unsere Haut und unsere Gesundheit unstrittig sind, so haben einige davon doch negative Auswirkungen auf unsere Umwelt. Insbesondere die französische Behörde für Gesundheitsschutz AFSS hat nachgewiesen, dass die UV-Filter bestimmter Sonnenschutzmittel zur Korallenbleiche und somit zur Zerstörung wertvoller und empfindlicher Ökosysteme der Meere beitragen.

Aber wie sieht es in der Schweiz aus? Schaden auch hier die Sonnencremes den Ökosystemen in Gewässern? Daniela Mangiarratti vom Bundesamt für Umwelt möchte beruhigen: «Auch wenn einige UV-Filter negative Auswirkungen auf Organismen haben können, liegen die bislang gemessenen Konzentrationen unter den kritischen Grenzwerten.» Allerdings werden deren langfristige Auswirkungen besonders genau untersucht. «Das Oekotoxzentrum untersucht derzeit im Auftrag des BAFU das Vorhandensein verschiedener UV-Filter in fünf Schweizer Seen sowie die Gefahren, die diese Substanzen für Wasserorganismen darstellen könnten», fährt Daniela Mangiarratti fort.

30 zugelassene Filter

Im Oekotoxzentrum ist die Expertin für Risikobewertung Alexandra Kroll für dieses Projekt zuständig. Sie weist darauf hin, dass Sonnenschutzmittel sehr viele Substanzen enthalten: «Da sind die UV-Filter, die die UV-Strahlung absorbieren oder streuen, aber auch Hilfsstoffe, Konservierungsmittel, Duftstoffe und andere Inhaltsstoffe. Und wir wissen derzeit sehr wenig, wenn nicht sogar nichts, über die Umweltverträglichkeit der meisten dieser Stoffe.» Fest steht: Vor allem die UV-Filter sind problematisch. Und in der Schweiz sind gut dreissig UV-Filter zugelassen. Diese werden in zwei Kategorien unterteilt. Es gibt chemische UV-Filter und mineralische UV-Filter, die insbesondere aus Zinkoxid und Titandioxid bestehen. Zink und Titan kommen auch in der Natur vor.

«Die chemischen UV-Filter sind im Allgemeinen sehr vielfältig, aber in der Regel kaum wasserlöslich und sehr stabil. Daher verbleiben sie lange in der Umwelt. Sie gelangen direkt beim Schwimmen und Baden sowie indirekt über Kläranlagen in die Gewässer. Sehr wenige von ihnen haben kurzfristige Wirkungen. Einige haben langfristige Auswirkungen, aber noch nicht alle wurden eingehend untersucht», erklärt Alexandra Kroll. Deshalb ist die Forschung so wichtig, die sie am Oekotoxzentrum betreibt. Erste Ergebnisse werden dieses Jahr erwartet und im kommenden Jahr werden diese in zwei wissenschaftlichen Fachartikeln zusammengefasst.

Hormonelle Wirkung

«Was die chronische Toxizität von UV-Filtern, insbesondere für Süsswasserorganismen, anbelangt, so sind unsere Kenntnisse noch lückenhaft», führt Alexandra Kroll aus. Sie weist darauf hin, dass im Rahmen dieses Projekts nur Algen, Krebstiere und Fische standardmässig getestet werden. «Unsere ersten Informationen deuten darauf hin, dass bestimmte UV-Filter hormonaktiv sind.» Die möglichen potenziellen Folgen für diese Arten sind Fortpflanzungsprobleme bei Fischen oder eine Verweiblichung der Männchen.

Rückstände verbotener Substanzen

Angesichts dieser Gefahren werden bestimmte Stoffe hinsichtlich ihrer hormonellen Wirkung genauer untersucht, während andere darauf überprüft werden, ob sie krebserregend sind. Ein häufig eingesetzter UV-Filter ist Octocrylen. Dieser wird sogar auf beide Aspekte hin untersucht. «Es ist bekannt, dass er die Fortpflanzung kleiner Krebstiere stört, die eine wichtige Nahrungsgrundlage für Fische darstellen.» Die Wissenschaftlerin legt zudem dar, dass die seit dem letzten Jahr aufgrund ihrer Hormonaktivität in Kosmetika verbotene Verbindung 4-MBC immer noch regelmässig in den Sedimenten entdeckt wird.

«Sie kann also weiterhin Organismen schaden.» Schliesslich verursachen Sonnenschutzmittel, die Nanopartikel oder sogar Nanoplastik enthalten, weitere Probleme und deren langfristige Auswirkungen sind noch unbekannt. Wenn Alexandra Kroll eine Empfehlung aussprechen müsste, um Haut- und Gewässerschutz zu vereinen, würde sie für eine Kombination plädieren: «Vorsichtiger Umgang mit der Sonne, lange schützende Kleidung und Sonnencremes mit mineralischen UV-Filtern. Und darauf achten, dass das Sonnenschutzmittel keine Nanotechnologie enthält.»

+ Mehr Infos
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