Vier kühle Zufluchtsorte für heisse Sommertage

Unter Felsen, am Wasser oder im Schatten alter Steine bieten manche Orte eine willkommene Erholung, wenn die Sonne vom Himmel brennt. Eine Einladung, die Schweiz einmal anders zu entdecken – auf der Suche nach neuen Eindrücken, aber auch nach Abkühlung.
La Rédaction

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Höhlenerkundungen

Sich wie in einem Roman von Jules Verne in die Tiefen der Erde vorzuwagen, ist in der Schweiz an vielen Orten möglich. Zwischen den feuchten Felswänden, die kein Sonnenlicht durchlassen, ist es nicht nur kühl, sondern regelrecht kalt. Die Temperatur schwankt in der Regel zwischen 8 und 12 °C. Feuchtigkeit und geringe Luftzirkulation sorgen für eine natürliche Wärmeisolierung.

Oberhalb von St-Léonard im Wallis befidet sich der grösste befahrbare unterirdische See Europas. Er wird durch Regen-und Schmelzwasser sowie zu einem geringen Teil durch die Bewässerung der rund 70 Meter höher gelegenen Weinberge gespeist. Das Wasser fliesst in den See, entweicht durch Spalten und mündet schliesslich in die Rhone. Geologie-Liebhaber dürfen sich auf einen beeindruckenden Anblick freuen: An den wasserdurchtränkten Wänden verschmelzen gleich drei seismische Verwerfungen mit unterschiedlichen mineralischen Besonderheiten: Gips, grauer Marmor und Schiefer. Da die Tour von einem Gondoliere geleitet wird, ist eine Reservierung erforderlich. Auf dem See finden regelmässig akustische Konzerte statt.

Jenseits der Saane, auf den Anhöhen von Interlaken, bieten die St. Beatus-Höhlen ein ebenso reizvolles Erlebnis. Im Herzen des Niederhorn-Massivs entdeckte man zu Beginn des 20. Jahrhunderts 14 Kilometer lange Stollen die bereits von den Menschen in der Steinzeit genutzt wurden. Heute bieten sie Jung und Alt eine erfrischende und abenteuerliche Auszeit. Das Höhlensystem ist nur zu einem Kilometer begehbar. Dafür werden zahlreiche Aktivitäten wie eine Schatzsuche, kulinarische Rundgänge oder Gruppenführungen angeboten. Festes Schuhwerk und warme Kleidung nicht vergessen!

Kühle Temperaturen in heiligen Gemäuer

Wenn die Hitze unerträglich wird, sind Tempel und Kirchen willkommene Zuflu htsorte. Ähnlich wie in Höhlen sorgen ihre dicken Mauern für angenehm konstante Temperaturen. Ein sonniger Tag reicht nämlich nicht aus, um die in der Nacht abgekühlten Steine zu erwärmen.

In Solothurn öffnet die St.-Ursen-Kathedrale ihre Pforten für Besucher, die sich für Abkühlung, Spiritualität und Geschichte interessieren. Das heutige Gebäude, das 1769 auf den Fundamenten eines im 9. Jahrhundert errichteten Vorgängerbaus entstand, ist ein eindrucksvolles Beispiel frühklassizistischer Architektur. Getreu der Vorliebe der Solothurner für die Zahl Elf verfügt die Kathedrale über elf Altäre und elf Glocken. Eine Treppe mit 33 Stufen führt zur Kathedrale hinauf, deren 66 Meter hoher Turm einen atemberaubenden Blick über die Stadt offeriert. Das heute im Besitz der römisch-katholischen Kirche befindli he Gotteshaus ist ausserhalb der Gottesdienste für die Öffentlichkeit zugänglich.

In einem völlig anderen Stil präsentiert sich die Abteikirche von Romainmôtier. Reichlich Abkühlung und Kultur verspricht aber auch sie. Eingebettet in eines der schönsten Dörfer der Schweiz erinnert das älteste Kloster des Landes an die längst vergangene Geschichte der Cluniazenser. Denn die Mönche jener Zeit erbauten die Abtei bereits ab 990 n. Chr. nach dem Vorbild der Kirche im französischen Cluny. Noch heute finden hier Gottesdienste sowie zahlreiche kulturelle Veranstaltungen statt.

Das kühle Nass

An heissen Tagen zieht es uns naturgemäss ans Wasser. In der Schweiz mangelt es nicht an Seen, Flüssen und Wildbächen, doch nicht alle bieten das gleiche Mass an Erfrischung. Die grösseren Seen im Flachland liegen sehr exponiert und heizen sich daher schneller auf. Eine bessere Wahl sind Flüsse in höheren Lagen, die von Wäldern umgeben sind oder zwischen Felswänden verlaufen.

Die Suonen sind ideale Wanderwege, die immer in unmittelbarer Nähe zum Wasser verlaufen. Folgt man beispielsweise der «Bisse du Ro», ausgehend vom Staudamm von Tseuzier, gelangt man nach zwölf Kilometern und ohne nennenswerte Höhenunterschiede nach Crans-Montana. Die Suonen wurden ursprünglich im 14. Jahrhundert angelegt und Mitte des 20. Jahrhunderts vollständig kanalisiert. Für diese mittelschwere Wanderung mit einigen schwindelerregenden Passagen sollten Sie rund 3 Stunden und 15 Minuten einplanen. Eine 2020 eingeweihte Hängebrücke beschert Abenteuerlustigen zusätzlichen Nervenkitzel.

Ein ebenso spektakuläres Ausflugsziel ist die Aareschlucht. Eine etwa 45-minütige Wanderung führt über Stege und durch Tunnel entlang beeindruckender Kalksteinfelsen. Die 1,4 Kilometer lange und 200 Meter tiefe Schlucht wurde vor über einer Million Jahren durch das Schmelzwasser der Gletscher der ersten Eiszeit geformt. Sie ist mit dem Zug von Meiringen aus erreichbar. Ab der Haltestelle Aareschlucht West sind es nur wenige Gehminuten bis zum westlichen Einstieg der Wanderstrecke. Zwischen Juli und August ist die Schlucht bis 22 Uhr beleuchtet und verspricht ein magisches Erlebnis.

Im Herzen des Eises

Wer Abkühlung sucht, ist gut beraten, direkt an die Quelle zu gehen. Gletscher bergen riesige Eisvorräte, die sich manchmal aus nächster Nähe betrachten oder sogar aus dem Inneren erkunden lassen.

Unterhalb des Furkapasses kann man beispielsweise von Juni bis Oktober das Innere des Rhonegletschers besichtigen. Eine hundert Meter lange Galerie schlängelt sich auf etwa 2300 m ü. M. durch die Eisgrotte. Aufgrund des Gletscherschwunds muss sie fast jedes Jahr neu ins Eis gehauen werden. Ein Lehrpfad begleitet und informiert die Besucher. Im Anschluss können Sie die Quelle der Rhone bestaunen und dabei an die Touristen denken, die an ihrer rund 800 Kilometer weiter flussab ärts gelegenen Mündung in der Hitze schwitzen.

Mit einer Länge von sieben Kilometern ist der Morteratschgletscher der grösste Gletscher der Berninagruppe im Kanton Graubünden. Er ist ein besonders anschauliches Beispiel für den Rückgang dieser Eisgiganten. Seit 1900 ist er um 2,5 Kilometer geschrumpft. Um diese Entwicklung zu veranschaulichen, wurden Markierungen angebracht. Entlang der familienfreundlichen Wanderwege begleitet ein kleiner Eisgeist namens Sabi grosse und kleine Naturliebhaber und erklärt ihnen das Leben des Gletschers. Die Rhätische Bahn bringt Besucher direkt zum Eingang des Morteratschtals. Gletscher spenden zwar lebenswichtige Abkühlung und sauberes Wasser, sind aber ebenfalls vom Verschwinden bedroht. Die Besucher werden daher aufgefordert, diese empfindli hen Lebensräume zu respektieren und keine Spuren ihres Besuchs zu hinterlassen.

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