Aus zwei Gründen. Erstens unterhält Nestlé seit fast 160 Jahren enge Beziehungen zur Schweizer Landwirtschaft. Rund 2000 Landwirte liefern uns hochwertige Rohstoffe für unsere Produkte. Da die landwirtschaftliche Produktion etwa zwei Drittel unserer Treibhausgasemissionen ausmacht, ist ihre Dekarbonisierung eine der Prioritäten unseres Klimaschutzplans. Zweitens gilt es, die Schweizer Landwirtschaft dabei zu unterstützen, widerstandsfähiger gegenüber den Folgen des Klimawandels zu werden, der sich auf ihre Produktion auswirkt. Die Zukunft der Lebensmittelbranche hängt massgeblich von der Landwirtschaft ab, die sie mit Rohstoffen versorgt. Nestlé engagiert sich daher seit vielen Jahren für die Einführung regenerativer Landwirtschaftspraktiken. Das Unternehmen hat sich zum Ziel gesetzt, bis Ende 2025 20% seiner Hauptzutaten weltweit aus nachhaltiger Landwirtschaft zu beziehen. Dies wurde bereits vor Ablauf der Frist erreicht. Bis 2030 soll der Anteil auf 50% steigen. Dadurch lassen sich die CO2-Emissionen senken und die Anbausysteme werden klimaresilienter.
«Die Zukunft der Lebensmittelbranche hängt massgeblich von der Landwirtschaft ab, die sie mit Rohstoffen versorgt.»
Welche Bilanz ziehen Sie nach eineinhalb Jahren AgroImpact?
Eine äusserst positive. Es ist uns gelungen, mit Akteuren aus den unterschiedlichsten Bereichen – von Behörden über Landwirtschaft und Wissenschaft bis hin zu NGOs wie dem WWF – konkrete Lösungen zu finden. Sie alle repräsentieren die gesamte Lebensmittelkette und ziehen an einem Strang. Der Erfolg war überwältigend und wächst weiter: Hunderte landwirtschaftliche Betriebe haben sich bereits registriert, um ihren CO2-Fussabdruck zu verringern, und zahlreiche neue Mitglieder verstärken inzwischen die Reihen von AgroImpact.
Wie verläuft die Zusammenarbeit zwischen den Beteiligten?
Die Zusammenarbeit ist konstruktiv und sehr produktiv, insbesondere innerhalb des Komitees. Jeder bringt eigene Fachkenntnisse und Kompetenzen ein. Dadurch konnte eine überzeugende Lösung entwickelt werden, sodass sich seither Dutzende weitere Akteure AgroImpact angeschlossen haben. Diese Dynamik funktioniert und alle Mitglieder treiben die Zielsetzungen gemeinsam voran.
Warum ist es für Nestlé wichtig, zur Dekarbonisierung der in der Schweiz bezogenen Rohstoffe beizutragen?
Unser Ziel ist es, alle unsere Schweizer Rohstoffe in das Projekt AgroImpact einzugliedern.
Welches Ziel verfolgt Nestlé hinsichtlich der Dekarbonisierung seiner Lieferketten in der Schweiz?
Dasselbe wie auf globaler Ebene: Bis 2050 sollen die Treibhausgasemissionen im Vergleich zum Referenzjahr 2018 auf Netto-Null gesenkt werden, mit Zwischenzielen von 20 % bis Ende 2025 und 50 % bis Ende 2030. Auch dieses Ziel haben wir bereits ein Jahr früher als geplant erfüllt. Deshalb möchten wir nun sämtliche unserer Schweizer Rohstoffe in das Projekt AgroImpact eingliedern. Dies entspricht 100 Millionen Litern Milch, 35’000 Tonnen Zuckerrüben, 12’000 Tonnen Weizen und knapp 1300 Tonnen Sonnenblumen, die wir jedes Jahr von Schweizer Landwirten beziehen. Dafür haben wir ein Budget von 15 Millionen Franken über sechs Jahre festgelegt. Ein Teil davon wurde bereits im letzten Jahr in Form von Prämien an die teilnehmenden Landwirte ausgezahlt.
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Unser Dossier zur Plattform AgroImpact: AgroImpact: eine neuartige Allianz zur Reduktion der CO2-Bilanz der Schweizer Landwirtschaft
Nachhaltige Landwirtschaft und Lebensmittelindustrie werden oft als Widerspruch empfunden. Ist es für Nestlé deshalb so wichtig, eine Brücke zwischen diesen beiden Welten zu schlagen?
Als grösstes Lebensmittelunternehmen wollen wir mit gutem Beispiel vorangehen und in den rund 190 Ländern, in denen wir tätig sind, eine Führungsrolle beim Übergang zu regenerativen Lebensmittelsystemen übernehmen. Nestlé und die World Farmers’ Organisation, der grösste Bauernverband, der weltweit mehr als eine Milliarde Landwirte vertritt, haben kürzlich eine bisher einmalige Allianz zur Förderung fairer, nachhaltiger und klimaresistenter Lebensmittelsysteme angekündigt. Nestlé wird von mehreren NGOs als eines der weltweit führenden Unternehmen im Bereich Klimaschutz anerkannt. Durch die Dekarbonisierung unserer landwirtschaftlichen Rohstoffe ermöglichen wir unseren Kunden den Zugang zu nachhaltigeren Produkten und schlagen so eine Brücke zwischen Landwirten und Verbrauchern. Davon profitieren alle. Mit AgroImpact gestalten wir die Zukunft der Schweizer Landwirtschaft mit, die uns bereits heute mit Lebensmitteln höchster Qualität versorgt und nun über eine funktionale, effiziente und wirtschaftlich tragfähige Plattform verfügt, um die Umweltbemühungen der Landwirte zu honorieren.
Sie sind einer der Initianten von AgroImpact. Wie ist dieses ehrgeizige Projekt entstanden, das so viele verschiedene Akteure vereint?
Aus meiner Sicht ist AgroImpact das solideste, umfassendste und vielversprechendste Projekt, das bisher in der Schweiz zur Umstellung der Landwirtschaft auf Klimaneutralität durchgeführt wurde. Es entstand aus dem gemeinsamen Wunsch, Akteure aus der gesamten Wertschöpfungskette zusammenzubringen und die Reduktion der CO2-Emissionen der Schweizer Landwirtschaft zu beschleunigen. Nestlé hat sich von Anfang an engagiert und dabei geholfen, die verschiedenen Akteure an einen Tisch zu bringen. Das Unternehmen brachte sein Fachwissen in Forschung und Entwicklung sowie seine Erfahrung in der regenerativen Landwirtschaft ein und rief die Plattform AgroImpact ins Leben. So hat Nestlé die Einführung des Prämienzahlungssystems für die ersten vier in das Projekt integrierten Agrarrohstoffe – Milch, Weizen, Zuckerrüben und Sonnenblumen – ermöglicht.
Mit dieser Lösung würdigen wir die Schlüsselrolle, die Landwirte in der Gesellschaft einnehmen.
Nun galt es nur noch, die Landwirte zu gewinnen, die in Bezug auf Arbeitspraktiken und Verwaltung schon vielen Anforderungen gerecht werden müssen. Welche Argumente haben sie von AgroImpact überzeugt?
Ihre Hauptmotivation besteht darin, die CO2-Bilanz ihres Betriebs zu ermitteln, an der Lösung der Klimafrage mitzuwirken, indem sie nachhaltigere und klimaresistentere Praktiken anwenden, zusätzliche Einnahmen als Vergütung für ihre Umweltbemühungen zu erzielen und eine gewisse, durchaus verdiente Anerkennung für ihre Schlüsselrolle in der Gesellschaft zu erhalten.
Nachdem sich AgroImpact in der Westschweiz bewährt hat, wird das Projekt nun auf nationaler Ebene vorangetrieben.
Seit den Anfängen von AgroImpact hat Nestlé sein Ziel bekundet, langfristig alle in der Schweiz bezogenen landwirtschaftlichen Rohstoffe in das Projekt einzubinden. Dazu zählen Milch für unsere in Konolfingen (BE) hergestellten Spezialprodukte für Babys, Weizenmehl für unsere Teigwaren und Pizzen in Wangen bei Olten (SO), Zucker für unsere Cailler-Schokoladen in Broc (FR) sowie Sonnenblumenöl für unsere Thomy-Mayonnaisen in Basel. Wir sind in der ganzen Schweiz präsent und freuen uns über die nationale Reichweite von AgroImpact.
Sie kommen selbst aus der Landwirtschaft. Wie stehen Sie persönlich zum Erfolg dieses Projekts?
Als Agraringenieur und Mitglied einer Bauernfamilie bin ich seit meiner Geburt mit der Schweizer Landwirtschaft vertraut. Ich bin besonders stolz darauf, dass AgroImpact schon jetzt so erfolgreich ist und sich so viele verschiedene Akteure gemeinsam engagieren und an einem Strang ziehen und dass sich so vielversprechende Perspektiven für den Klimawandel in der Schweizer Landwirtschaft abzeichnen.
Weitere Infos agroimpact.ch
